Sammlung & Erhaltung

Schrott oder Kulturgut? In einer immer komplexer werdenden Welt kann ein Museum mit seinen besonderen Kommunikationsformen wertvolle Hilfe bei der persönlichen Orientierung leisten.

Objekte werden in einen ausstellungsspezifischen Kontext gesetzt und dadurch «verständlich». Die Sammlung eines Museums ist demgemäss zugleich einzigartige Quelle und Referenzpunkt für dieses Verständnis. Die Aussagekraft historischer Objekte und Dokumente ist aber nicht immanent, sie ist vielmehr das Resultat professioneller konservatorischer Massnahmen, kontinuierlicher wissenschaftlicher Aufarbeitung und - nicht zuletzt - erfolgreicher ausstellungsdidaktischer Vermittlung.

Schrott oder Kulturgut?

Massenkulturelle Güter sind per Definitionem keine Unikate oder Artefakte im archäologischen Wortsinn. Im traditionellen Verständnis der Kulturgeschichte ist etwa ein Automobil aus der Pionierphase kein Kulturgut. Nun zeigt jedoch ein Blick zurück ins 19. und 20. Jahrhundert, dass wohl nichts unser Leben so sehr verändert hat wie die Schlüsseltechnologien rund um die Mobilität. Damit sind offenbar auch historische Automobile Zeitzeugen von höchstem kulturgeschichtlichem Wert.

Das Verkehrshaus hatte und hat - für die Schweiz - an diesem kulturgeschichtlichen Paradigmenwechsel einen wichtigen Anteil. So rettete Verkehrshaus-Gründer Alfred Waldis im Jahre 1958 nicht nur das Wrack des Dampfschiffes «Rigi», indem er das Schiff in den Innenhof des kurz darauf eröffneten Ur-Verkehrshauses setzte. Entscheidend war, dass er mit der Rettung dieses wohl ältesten erhaltenen Seitenraddampfers auch der Technikgeschichte ein Denkmal setzte, indem er das «DS Rigi» zum Herzen der ganzen Anlage machte.

Die Verwendung des Dampfschiffes als Gartenrestaurant relativierte aus heutiger Sicht zwar dessen historische Authentizität, entsprach aber durchaus dem damaligen Verständnis der Objekte als begehbare Gebrauchsgegenstände der Ausstellung.

Erst mit der Zeit begann sich das Verständnis technischer Objekte als historischer Quellen zu verändern. Das technische Objekt wurde auch in seiner historischen Dimension wahrgenommen und geschätzt. Heute sind die ursprüngliche Substanz und die durch den Gebrauch hervorgerufenen Veränderungen die wichtigsten Kriterien der historischen Aussagekraft. Ohne eine Grundlagenbeschaffung (Pläne, Eigentümer, Nutzung etc.) zu den Objekten kann wenig über ihre historische Bedeutung gesagt werden.

Heute stehen die Erhaltung des Zeitzeugen in seinem Übernahmezustand sowie die Rückführungen von reversiblen sinn- oder vermittlungsstörenden Veränderungen im Vordergrund der konservatorischen Arbeit. Die vielfältigen Formen von Restaurierungsprojekten im Verkehrshaus zeigen sich etwa in der frühen Zahnradlok «Gnom» von 1871, dem Motorrad «Motosacoche Jubilé» von 1931 oder beim Automobil «Adler» von 1913.

Als neuste Grossobjekte werden das älteste motorisierte Verkehrsmittel der Schweiz, das Dampfschiff DS Rigi, in seinen originalen Zustand des 19. Jahrhunderts zurückgebaut und gleichzeitig das grösste zivile Tauchboot, das U-Boot Mesoscaph, restauriert und den Besuchern wieder zugänglich gemacht.