Der «Storch» verlässt sein Nest

Das weltbekannte Flugzeug, der Fieseler «Storch» mit der Immatrikulation A-97, das seit über 50 Jahren in der Luftfahrthalle des Verkehrshauses der Schweiz hing, ist abgehängt und auf einen Sattelschlepper verladen worden. Es ist dies der Auftakt zu einer einzigartigen Aktion in der Schweizer Aviatik. Der Schweizer Verein «Freunde des Fieseler Storch» wird das Flugzeug wieder flugfähig machen und Ende November 2016 das 70-Jahr-Jubiläum des legendären Rettungsfluges zum Gauligletscher feiern. Danach kommt es zurück ins Verkehrshaus.

Das dreisitzige, einmotorige Flugzeug war eines von zwei beteiligten Maschinen der Schweizer Luftwaffe, die im November 1946 bei der Rettung der Insassen einer auf dem Gauligletscher im Berner Oberland abgestürzten amerikanischen C-53 «Dakota» beteiligt waren. Von den zwölf Menschen an Bord überlebten alle wie durch ein Wunder. Ein Jahr vor der siebzigsten Wiederkehr der ersten organisierten Luftrettung der Welt soll das Flugzeug nun wieder flugfähig gemacht werden, um nächstes Jahr die Rettungsaktion nachfliegen zu können. Für die Restaurierung verantwortlich ist der Verein «Freunde des Fieseler Storch».

Hubschrauber mit Tragflächen
Seit 1965 hängt die Fieseler Fi 156 «Storch» an der Decke in der Halle Luftfahrt des Verkehrshauses der Schweiz. Es ist eine Dauerleihgabe der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Das leichte Verbindung- und Beobachtungsflugzeug deutscher Produktion verfügt über legendäre Kurzstart- und Landefähigkeiten (STOL), die ihm auch zum Namen «Hubschrauber mit Tragflächen» verholfen haben. Den Namen «Storch» erhielt es wegen seines hochbeinigen, stelzenartigen Fahrgestells. Auf befestigten Pisten genügen, dank seiner erstmals verbauten Vorflügel, weniger als 50 Meter Startrollstrecke, bis es in der Luft ist. Zur Landung reichen gerade mal 20 Meter, denn die Minimalgeschwindigkeit liegt bei 45 km/h.

Flugfähigkeit herstellen
Einige «Störche», auch französische und tschechische Lizenzbauten, sind bereits im Besitz der Storchenfreunde aus Oetwil am See. Manche fliegen schon, andere sind noch in der Werft zur Restaurierung. Auch die A-97 soll wieder fliegen. In einer aufwendigen Aktion wurde das Flugzeug von der Decke des Museums herabgelassen und auf einen Tieflader umgesetzt. Bis zu 15 Spezialisten hatten in der Nacht zum 19. November für einen reibungslosen Ablauf der komplizierten Operation gesorgt. Der Motor des Flugzeuges, ein achtzylindriger, luftgekühlter Argus As 10C V-Motor mit hängenden Zylindern wird nun in der Nähe von Bonn vom Motorenspezialisten Dirk Bende überholt. Die stoffbespannte Zelle – also Rumpf mit Fahrwerk, Leitwerk und Tragflächen – wird in der polnischen Flugzeugwerft Aero-Kros Krosno, die auf historische Flugzeuge spezialisiert ist (EASA Part 145 zertifiziert), überprüft und funktionsfähig gemacht.