Beinahe acht Jahre dauerte die Reise der europäisch-japanischen Raumsonde BepiColombo zum extremsten Planeten unseres Sonnensystems. Am 21. November 2026 soll sie nun endlich in eine Umlaufbahn um den sonnennächsten und kleinsten Planeten Merkur einschwenken.
Dieser Text wurde im Zuge eines Praktikums zur Wissenschaftskommunikations im Planetarium erstellt.
Stand 29.09.2026. Bilder ©ESA. Autorinnen: Marie-Alix Bobrich & Dorothea Holzschuh.
Was ist BepiColombo?
BepiColombo ist eine gemeinsame Mission der ESA und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Ihr Ziel ist Merkur, der kleinste und sonnennächste Planet unseres Sonnensystems und der am wenigsten erforschte Gesteinsplanet, wobei er aufgrund der Nähe zu unserem Stern eine extreme Position unter den Planeten einnimmt.
Die Raumsonde ist ein Gerätetrio und besteht aus dem europäischen MPO (Mercury Planetary Orbiter), dem japanischen Mio (ursprünglich «Mercury Magnetospheric Orbiter», kurz MMO, genannt) und der von der ESA entwickelten Transferstufe MTM. Während des Hinflugs waren die beiden Orbiter auf dem MTM montiert. Es ist selten, dass zwei Sonden gemeinsam zu ihrem Ziel geschickt werden. In diesem Fall sollen sich MPO und Mio bei ihrer Arbeit aber gegenseitig ergänzen. Die MPO konzentriert sich auf die Oberflächenbeschaffenheit und die innere Zusammensetzung des Planeten, während Mio das Magnetfeld des Merkurs erforschen soll.
Warum ist die Mission so spannend?
Merkur wurde bisher nur wenig aus der Nähe erforscht. Nur die NASA Raumsonden Mariner 10 (Start 1973) und Messenger (Start 2004, im Merkur-Orbit 2011–2015) haben uns bereits genauere Untersuchungen von ihm geliefert. Der seltene Besuch liegt an den hohen Temperaturen und den unwirtlichen Bedingungen. Wegen der Nähe zur Sonne ist es zudem sehr schwierig, Sonden zum Merkur zu bringen, welche diese Bedingungen überleben und auf Merkurs Geschwindigkeit beschleunigt werden können.
Die Physik des Swingby-Manövers
Das Gravitationsfeld eines Planeten in Weltraummissionen zu benutzen ist sinnvoll, um die grosse Fluggeschwindigkeit, welche die Sonde nach dem Start hat, im Falle von BepiColombo stark abzubremsen. Im Weltall sind Raumsonden auf ihre Triebwerke angewiesen, um zu beschleunigen, abzubremsen oder die Richtung zu ändern. Fliegt eine Sonde aber nahe an einem Planeten vorbei, kann sie dessen Anziehungskraft nutzen, um Flugrichtung und Geschwindigkeit anzupassen, ohne dabei eigenen Treibstoff zu verbrauchen. Das hat einen grossen Vorteil, denn wenn ein Raumfahrzeug das Gravitationsfeld eines Planeten nutzen kann, benötigt es weniger Treibstoff an Bord und kann somit mehr wissenschaftliche Nutzlast mitführen.
BepiColombo führte anderthalb Jahre nach dem Start das erste Swingby-Manöver an der Erde (Bild links) durch, danach zwei weitere an der Venus und sechs am Merkur. Dabei legte sie rund 9,9 Milliarden Kilometer zurück und verlor über 3.000 km/s an Geschwindigkeit.
Was jetzt geschieht
Am 3. September 2026 wurde das Transfermodul MTM, das die beiden Sonden MPO und Mio transportiert hatte, abgetrennt. Die beiden Sonden werden voraussichtlich am 21. November 2026 gemeinsam in eine Umlaufbahn um Merkur einschwenken und zwischen 9.–10. Dezember 2026 sich trennen, um ihre eigenen Umlaufbahnen zu erreichen. April 2027 markiert den Beginn der Wissenschaftsmission, in der die Orbiter umfassend wissenschaftliche Daten über Merkur sammeln werden.
Die Wissenschaft von BepiColombo
Sobald BepiColombo den Merkur erreicht hat, beginnen die Untersuchungen. Die MPO soll mit ihren Kameras die Oberfläche genauer als bisher kartographieren und ein hochgenaues Laseraltimeter liefert ergänzende Höheninformationen. Von der Auswertung all dieser Daten erhoffen sich Forschende Antworten zur geologischen und chemischen Zusammensetzung des Merkurs. Dazu soll die Frage beantwortet werden, ob der Kern des Planeten flüssig oder fest ist. Mio soll das Magnetfeld und seine Wechselwirkung mit dem Sonnenwind erforschen. Die Raumsonden sollen mehr Licht in die Entstehung und Entwicklung der inneren Planeten, einschliesslich der Erde, bringen. Zusätzlich scheint es in momentanen Forschungen so, als würde Merkur schrumpfen. Ist das etwas Typisches für einen Planeten oder ist das nur eine Besonderheit des Merkurs?
Aktuelle Herausforderungen
Bevor all diese Fragen beantwortet werden können, muss BepiColombo allerdings noch einige grosse Herausforderungen meistern. Die erste besteht darin, dass die Sonde trotz der starken Anziehungskraft der Sonne in eine Umlaufbahn um Merkur gelangt und nicht in die Sonne stürzt. Zudem müssen die Solarpaneele genau im richtigen Winkel zur Sonne ausgerichtet werden, damit sie genügend Sonnenlicht einfangen, um den hohen Energiebedarf des Antriebssystems zu decken. Gleichzeitig darf aber nicht zu viel Sonnenlicht auf sie fallen, denn in Merkurnähe ist die Sonnenstrahlung rund zehnmal stärker als bei der Erde und die Paneele könnten überhitzen.
Ein Stück Schweiz am Merkur
Auch die Schweiz ist bei BepiColombo mit dabei. An Bord der MPO befindet sich das bereits zuvor erwähnte Laser-Höhenmessgerät BELA (BepiColombo Laser Altimeter), das unter der Leitung der Universität Bern entwickelt wurde. Es ist der erste in Europa gebaute Laser-Höhenmesser für interplanetare Flüge. Aus rund 1000 Kilometern Höhe kann BELA die Oberfläche des Merkurs auf weniger als einen Meter genau vermessen.
Daumen drücken am 21. November
Der spannendste Moment der Mission steht noch bevor.
Das Einschwenken in die Umlaufbahn um Merkur ist ein einziger, vorprogrammierter Triebwerksschub. Da ein Funksignal rund 11 Minuten von Merkur zur Erde braucht, kann das Kontrollzentrum in Darmstadt nicht mehr eingreifen und nur abwarten, ob alles klappt.
Wir drücken BepiColombo fest die Daumen und sind gespannt auf die ersten Bilder und Daten vom innersten Planeten unseres Sonnensystems!
Ansprechperson
Dorothea Holzschuh
Teamleiterin Planetarium